In dieser Serie begegne ich meinen eigenen Fragmenten. Die Figuren, die in den Bildern erscheinen, existieren nicht — sie wurden von einer künstlichen Intelligenz erzeugt, die Gesichter und Körper erfindet, die an reale Biografien erinnern und doch niemals eine hatten. Gerade darin finde ich einen Spiegel meiner eigenen Geschichte: einer Biografie zwischen Nationen, Sprachen und kulturellen Räumen, in der hybride, brüchige und schließlich verlorene Identitäten entstanden sind. Ich habe diese Bilder bewusst KI-generieren lassen, weil ich das Gefühl kenne, selbst ein generiertes Subjekt zu sein — zusammengesetzt aus widersprüchlichen Traditionen, aus Entwurzelungen, aus Orten, an denen ich nie wirklich angekommen bin. Ich bin keine Österreicherin, aber auch keine Kroatin mehr. Ich bin etwas Drittes, ein Zwischenwesen, eine Projektion, eine Konstruktion. Ein Ich, das entstanden ist wie diese Personen auf den Bildern: künstlich, einzigartig, oberflächlich real und zugleich zutiefst irreal. Meine Migrationsgeschichte ist begleitet von Momenten der Depersonalisation und Derealisation — Zuständen, in denen die Welt wie ein falscher Film wirkt und man sich selbst wie eine Randfigur des eigenen Lebens wahrnimmt. Dieses Gefühl einer leichten, unheimlichen Verschiebung bildet den inneren Kern der Serie. Auf der Suche nach meinen Wurzeln, nach einem weiblichen Ich, nach einem stabilen Selbstbild, habe ich alte Fotografien und verdrängte Erinnerungen betrachtet und fand dort nur Hüllen, Schatten, zersplitterte Umrisse, verschwommene oder fehlende Gesichter. Diese Leere wiederholt sich nun in den KI-Porträts: Subjekte ohne Erkennbarkeit, ohne Herkunft, ohne eindeutige Verortung. Meine Bilder zeigen keine Menschen, sondern Zustände. Sie zeigen jenen Zwischenraum, in dem Identität entsteht: dort, wo Erinnerung bricht, Herkunft verschwimmt, Migration Linien verwischt und Technologie neue Illusionen erzeugt. Es sind Porträts von Figuren, die existieren wie ich selbst: halb real, halb algorithmisch, halb Erinnerung, halb Projektion. Im weißen Rauschen der KI, im Staub der Zeit und im Riss zwischen Vergangenheit und Zukunft sucht diese Serie nach einem Selbst — und findet die konturhafte Spur eines Gesichts, das nie ganz erscheint.
Winter 2025