Running Anatomy

Hampelnd-pendelnde Lunge

Zentrales Nervensystem

Blase in Panik

Springende Niere

Selbstschützendes Pankreas

Scham

Brennender Magen

Depressive Milz

Erschöpter Darm

Aggressive Leber

Rennendes Zwerchfell

Skeptische Schilddrüse

OMG! Das ist mein Hirn!

Rasendes Herz

Penisrad

„Ein Konzept ist ein Ziegelstein. Es kann verwendet werden, um ein Gerichtsgebäude der Vernunft zu bauen. Oder es kann durch das Fenster geworfen werden.“

 

Gilles Deleuze

 

 

 

"Zwischen den Wunschmaschinen und dem organlosen Körper zeichnet sich ein erkennbarer Konflikt ab.

Dem organlosen Körper ist jede Maschinenverbindung, jede Maschinenproduktion, jeglicher Maschinenlärm unerträglich geworden. "

 

Gilles Deleuze u. Felix Guattari / Anti-Ödipus

 

             

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Der „organlose Körper“ – ein Paradigma, entwickelt vom französischen Autorenduo, Philosoph Gilles Deleuze und seinem Landsmann Psychoanalytiker Felix Guattari – gilt gemeinhin auch als Gegenentwurf zu Sigmund Freuds Psychoanalyse. Beim organlosen Körper handelt es sich um einen Denkanstoß, bei dem es selbstverständlich nicht um die Entbehrung von lebensnotwendigen Organen geht. Vielmehr konstituiert sich das Konstrukt durch Ordnung, Signifikanz und Subjektivität. Die erwähnten Leitbegriffe, als Ordnung, Signifikanz und Subjektivität, nehmen auch in den „Gender Studies“ eine zentrale Rollen ein. Beim organlosen Körper geht es also nicht um die Organe per se. Diese „heilige Kuh“ der Psychoanalyse, Medizin und Philosophie greifen Deleuze und Guattari bereits in einem Vorgängerwerk auf. Ihre Interpretation von offensichtlich voreilig als „Fakten“ determinierten Phänomenen, Kausalitäten oder Abläufen, setzten die beiden Wissenschaftler ihr komplexes bzw. zunächst durchaus irreführendes, aber sehr wohl schlüssiges Funktionsverständnis entgegen und bringen so erst einmal das feste Gebäude der Natur(wissenschaften) ordentlich ins Wanken. Zur Veranschaulichung wird der biologisch-medizinische Körper in Funktionseinheiten gegliedert: das Gehirn, der Verdauungsapparat, der Fortpflanzungsapparat, der Bewegungsapparat, etc. Jedes Organ hat dabei eine eindeutige Funktion, von der nicht abgewichen werden kann. Moment, wirklich jedes Organ? Das Gehirn/ der Kopf wird de facto primär mit der individuellen Persönlichkeit assoziiert – hier sitzt das „Ich“ eines Menschen. Es ist die Schaltzentrale, die übergeordnete Steuereinheit und wird daher nicht als Körperorgan gedacht. Dem gegenüber steht der Rest des biologischen Körpers, als der Körper an sich. Dieser Rest wird als willfährige Materie beschrieben, die nur Träger, allerdings keinen Einfluss auf die Persönlichkeit nehme. Er besteht aus vielen kleinen Einheiten, welche vom Kopf gesteuert werden. Daraus ergibt sich bereits implizit die hierarchische Gliederung des biologischen Körpers – die Trennung von Geist und Körper, von Kultur und Natur. Diese Strukturierung der Organisation der Organe lässt sich auch in der Gesellschaftsstruktur wiederfinden. Nehmen wir beispielsweise den Staat und seine Organe, die Verwaltungsorgane – Legislative, Exekutive, Judikative. Stehen sie nicht symbolisch für den Geist einer Nation, und der Volkskorpus für die restlichen Organe? Jedenfalls schafft es Nikolina Zunec in Ihren Arbeiten, die eigentlich digital am Computer generiert, zum Teil händisch überarbeitet und erst später ausgedruckt worden sind, das Paradigma von Deleuze und Guattari humorvoll und teilweise sarkastisch zu übersteigern. Ihre „Organfiguren“ wirken wie unabhängige Lebensformen, die nicht das geringste Interesse daran haben, sich wieder ihrer eigentlichen Rolle im Kollektiv unterzuordnen. Stattdessen generiert ihnen ein eigener Kopf, sprich Wille, der nicht in jedem Werk, allerdings immer wieder zwischen anarchistischem Verhalten und absurdem Gebaren Rezipienten einerseits ratlos andererseits aber amüsiert zurücklässt.

 

Thymusdrüse