Listening Unit ist eine browserbasierte, generative Textarbeit, die als minimalistisches Systemprotokoll strukturiert ist. Die Seite befindet sich in einem permanenten „Listening“-Zustand: Sie registriert Anwesenheit, verweigert jedoch ausdrücklich jede Antwort.
Im Laufe der Zeit erodiert der Text algorithmisch, bis schließlich nur noch ein einzelnes Wort übrig bleibt. Dieser verbleibende Output kann als ein nicht-intentionales Orakel gelesen werden: Bedeutung wird nicht vom System selbst erzeugt, sondern vom Betrachter hineingelesen.
Zuhören erscheint hier nicht als Kommunikation oder Empathie, sondern als eine kalte, prozedurale Operation. Gleichzeitig verbindet die Arbeit poetische Sprache mit einer orakelhaften Struktur.
Die Gestaltung erinnert bewusst an alte Terminalsysteme, Radar / Militärinterfaces, Überwachungstechnologie und frühe Netzwerkcomputer.
Listening Unit markiert eine neue formale Praxis, in der Poesie nicht länger als Ausdruck oder Narration verstanden wird, sondern als Residuum, Systemzustand und Projektionsfläche. In dieser Form wird Poesie für den Künstler neu zugänglich – nicht als verfasster Text, sondern als Prozess, in dem Bedeutung erst im Akt der Wahrnehmung entsteht.
Die Listening Unit ist Teil des fortlaufenden Online-Formats Listening Eyes von Projet Betula.
Winter 2025