delegierte bedingungen

Dieser Kunstprozess basiert auf den theoretischen Arbeiten von Donna Haraway, insbesondere auf ihren Konzepten des „Cyborg“, der situierten Wissensformen und der Verflechtung von menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen. Die Arbeit versteht KI nicht als Werkzeug und nicht als autonomes Subjekt, sondern als relationellen Akteur innerhalb eines geteilten Produktionsprozesses.

 

Zentrale Annahme:

Künstlerische Autorschaft ist nicht eindeutig lokalisierbar. Sie entsteht aus der Wechselwirkung von Mensch, Maschine, Datensatz, Interface und institutionellem Rahmen. Die KI handelt nicht intentional, aber sie erzwingt Entscheidungen, Reaktionen und Umwege. Autorschaft wird dadurch verteilt, nicht geteilt.

 

Arbeitslogik:

Der Prozess beginnt nicht mit einer Bildidee, sondern mit einer Regel. Diese Regel definiert Einschränkungen, keine Inhalte. Die KI erzeugt daraufhin ein visuelles Resultat. Ich als Künstlerin reagiere nicht ästhetisch, sondern strukturell: durch Verbote, Verschiebungen oder neue Einschränkungen. Dieser Zyklus wird mehrfach wiederholt.

 

Der Prozess als Werk:

Nicht das einzelne Bild ist das Kunstwerk, sondern die Abfolge von Iterationen. Jede Iteration dokumentiert eine Aushandlung zwischen menschlicher Entscheidung und maschineller Antwort.

Das Werk zeigt keine finale Lösung, sondern eine instabile Ko-Produktion.

 

Haraways Beitrag:

In Haraways Denken existieren keine reinen Subjekte und keine reinen Objekte. Stattdessen gibt es Verflechtungen, Abhängigkeiten und situiertes Handeln. Übertragen auf KI-Kunst bedeutet das: Die Maschine ist weder Werkzeug noch Autorin, sondern Teil eines hybriden Gefüges, in dem Verantwortung und Handlungsmacht nicht eindeutig zugeordnet werden können.

 

Ergebnis:

Der Kunstprozess macht sichtbar, dass Kreativität nicht aus Autonomie entsteht, sondern aus Relationen. Die Arbeit zeigt keine „kreative KI“, sondern eine fragile Zusammenarbeit, in der Kontrolle ständig neu verhandelt wird.