Die Serie „Ohne Zentrum“ untersucht den Körper als instabiles Gefüge, das sich festen Ordnungen und eindeutigen Funktionen entzieht. Ausgangspunkt ist die anatomische Struktur als scheinbar geschlossenes System, in dem jedes Element eine klar definierte Rolle erfüllt. Diese Ordnung wird in den Arbeiten schrittweise verschoben, fragmentiert und neu zusammengesetzt.
Die einzelnen Zeichnungen zeigen Übergänge: von einem noch lesbaren, bewegten Körper hin zu komplexen, überlagerten Strukturen, in denen sich organische, mechanische und abstrakte Elemente miteinander verschränken. Dabei lösen sich funktionale Zuordnungen zunehmend auf. Organe verlieren ihre eindeutige Bedeutung, Beziehungen verschieben sich, und neue Verbindungen entstehen.
Anstelle eines kohärenten Organismus tritt ein offenes System, das keine stabile Hierarchie mehr kennt. Zentrum und Peripherie sind nicht mehr eindeutig bestimmbar, vielmehr entstehen dichte Gefüge aus Linien, Fragmenten und Verdichtungen, die sich einer klaren Lesbarkeit entziehen.
Die Arbeiten bewegen sich zwischen Wiedererkennbarkeit und Auflösung. Anatomische Referenzen bleiben sichtbar, werden jedoch in neue Zusammenhänge überführt, in denen der Körper nicht mehr als abgeschlossene Einheit erscheint, sondern als ein Prozess permanenter Reorganisation.
Januar 2022